DFC

DISCOVER FOOTBALL

9 COUNTRIES | 8 TEAMS |  1 LANGUAGE – das Arabisch-Europäische Frauen-Fußball-Festival DISCOVER FOOTBALL

 

In wenigen Tagen ist es soweit: Bei DISCOVER FOOTBALL 2013 treten 8 internationale Frauenteams aus 9 Ländern zu einem großen Fußballfestival in Berlin an. Fast eine Woche lang spielen Fußballerinnen aus Ägypten, Jordanien, Libanon, Libyen, den Palästinensischen Gebieten, Tunesien, Polen und Ukraine sowie Deutschland im Willy-Kressmann-Stadion in Berlin-Kreuzberg um den Sieg.

 

Der Verein Discover Football engagiert sich für Geschlechtergerechtigkeit, interkulturelle Verständigung und Frauenrechte. Frauen sind in fast allen Ländern (vehementen) Diskriminierungen ausgesetzt und mit Widerständen konfrontiert, wenn sie Fußball spielen wollen, nach Trainingsmöglichkeiten suchen oder für das Recht kämpfen, mit Kopftuch zu spielen. Diese Initiative bringt diese Frauen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Lebenserfahrungen zusammen, ermöglicht die Begegnung und den Austausch zu Handlungsstrategien. Seit seiner Gründung 2009 hat der Verein ein weltweites Netzwerk für Fußballspielerinnen aufgebaut und im vergangenen Herbst das erste Expertinnenforum von Fußball-Aktivistinnen aus der MENA – Region in Berlin organisiert, das sich mit Empowerment-Strategien im Frauen-Fußball beschäftigte. Das Fußball-Festival 9 countries | 8 teams | 1 language  nimmt mit einer Workshop-Reihe zu den Themen Sport/Frauenrechte/Anti-Diskriminierung und Medien die Ideen aus dem Expertinnenforum auf. Wer diese mutigen Frauen selbst kennenlernen und mehr über ihr Situation erfahren möchte, ist zur anschließenden Turnierwoche herzlich eingeladen. Das Programm des arabisch-europäischen Frauen-Fußball-Kultur-Festivals umfasst neben Turnierspielen auch Podiumsdiskussionen, Public Viewing der Frauen-EM, Konzerte und ein Fußball-Camp für Mädchen. Beginn ist am Dienstag, 23. Juli, 18 Uhr mit der Eröffnungsfeier und dem Eröffnungsspiel zwischen dem Orthodox Team aus Jordanien und Wadi Degla aus Ägypten sowie Konzerten von Sookee und Sister Fa. Der Verein Discover Football engagiert sich für Geschlechtergerechtigkeit, interkulturelle Verständigung und Frauenrechte. Frauen sind in fast allen Ländern (vehementen) Diskriminierungen ausgesetzt und mit Widerständen konfrontiert, wenn sie Fußball spielen wollen, nach Trainingsmöglichkeiten suchen oder für das Recht kämpfen, mit Kopftuch zu spielen. Diese Initiative bringt diese Frauen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen und Lebenserfahrungen zusammen, ermöglicht die Begegnung und den Austausch zu Handlungsstrategien. Seit seiner Gründung 2009 hat der Verein ein weltweites Netzwerk für Fußballspielerinnen aufgebaut und im vergangenen Herbst das erste Expertinnenforum von Fußball-Aktivistinnen aus der MENA – Region in Berlin organisiert, das sich mit Empowerment-Strategien im Frauen-Fußball beschäftigt.

Detailliertere Infos unter www.discoverfootball.de 

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Das Orga-Team hat natürlich so kurz vorm Festival viel um die Ohren; wir konnten dennoch ein kleines schriftliches Interview mit Marlene und Fritzi vom Discover Football-Team machen:

 

Wie kam es zu diesem Turnier? Woher rührt euer Engagement?

Marlene: Das Turnier ergibt sich aus der Vorgeschichte. Es begann ganz klein: Wir haben – um Sponsoren zu suchen – einen Kurzfilm über unser Team gemacht. Doch dann lief alles ganz anders, der Film lief im Rahmen der Berlinale mit anderen Filmen zum Thema “Fußball und Kultur” und das mit den Sponsoren wurde nicht weiter verfolgt. Bei dieser Veranstaltung gab es nur einen anderen Film mit Frauenfußball; der war iranisch und wir haben uns nach der Vorführung mit dem Regisseur unterhalten und erfahren, dass die Frau aus seinem Film, die Kapitänen der Nationalmannschaft ist und das Team noch nie gegen ein anderes Team gespielt hat, aber regelmäßig trainiert. Wir haben sofort gesagt, dass wir kommen und gegen sie spielen; wir wussten nicht, von was wir da sprachen. Das Spiel zu organisieren hat mehr als ein Jahr gedauert, aber was wir erlebt haben, hat alle unsere Träume überboten. Es war erstens ein tolles Spiel und zweitens eine unglaubliche Erfahrung. Frauen dürfen in Iran nicht ins Stadion, doch an diesem Tag war die Regel andersrum. Auf dem Platz, an der Linie, auf der Tribüne, im VIP-Bereich, alle waren Frauen und haben gezeigt, dass sie wissen, wie man sich im Stadion verhält. Und alle waren gleich nervös, wir natürlich, die iranischen Spielerinnen auch, aber auch die Schiedsrichterin, die bisher nur in der Halle gepfiffen hat, die Journalistinnen und leider auch die Sicherheitskräfte… Wir haben im Laufe des Prozesses Spielerinnen kennengelernt, mit denen wir erstaunlich viel gemeinsam hatten, obwohl wir in so unterschiedlichen Bedingungen leben und eben Fußball spielen.

Es war von Anfang hin ein Projekt mit Hin- und Rückspiel. Doch das Rückspiel wurde enttäuschender Weise am Tag vorher abgesagt, die Iranerinnen waren schon am Flughafen, als die Reise nicht weiter ging, wir erfuhren, dass sie wegen technischer Probleme nicht ausreisen dürfen. Die Berichterstattung wechselte vom Sport- oder Kulturteil in den Politikteil. Wir hatten zu viel erlebt, um aufzuhören. Außerdem hatten wir auch einen Film über das Spiel gemacht1 und hatten plötzlich Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, Unterstützung zu bekommen. Denn bis dahin ging es auf eigenes Risiko und eigenes Geld. Wir wollten so etwas wie die Absage nicht wieder erleben und die Idee vom Turnier entstand. Auch wenn ein Team nicht anreisen kann, gibt es doch immer noch die anderen Teams, und es finden noch Spiele statt. Wir hatten eine Ahnung davon, dass Frauenfußball sehr viel bedeuten kann, und haben ein internationales Turnier ausgeschrieben, für das sich Teams von überall her bewerben konnten. Ausschlaggebend war nicht die sportliche Stärke, sondern die soziale Bedeutung des Teams und das Engagement. Die Bewerbungen, die zurückkamen waren Beeindruckend. Da waren Juristinnen aus Togo, die glauben, dass man seine Rechte nur einfordern kann, wenn man sie kennt, und Fußball spielen, um mit anderen Frauen in Kontakt zu kommen, um sie nach den Spielen zu beraten. Oder Slum Soccer aus Indien, ein Team aus denjenigen, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, Töchter von Prostituierten oder Drogenabhängigen, die beim Sport Teil einer Gemeinschaft sind. Insgesamt sehr viel Idealismus und Frauen, die auf dem Platz Selbstbewusstsein und Durchsetzungsstärke erlangen, die ihnen im Leben außerhalb des Platzes weiterhelfen. Und Frauen, mit denen wir leicht ins Gespräch kommen können, denn das mit dem Fußball haben wir ja irgendwie gemeinsam. 

 

Wie oder wo habt ihr die internationalen Teams kennengelernt?

Marlene: Wir suchen über alle Kanäle, Fußballverbände, Frauenrechtsorganisationen, über deutsche Botschaften, kirchliche Institutionen, wir schreiben alle an, die jemanden kennen könnten… 

Fußball steht im Mittelpunkt – es wird aber auch ein kulturelles Rahmenprogramm geben, Diskussionen und Workshops.

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Sind diese Workshops offen für alle? Worum wird es dort gehen?

Fritzi: Bei den Workshops geht es darum, dass die Teams sich zu bestimmten fußballrelevanten Themen austauschen und gemeinsam Ideen und Strategien entwickeln bzw. bestimmte Fähigkeiten erlernen. Wir bieten daher verschiedene WS zur medialen Selbstrepräsentation an und möchten uns in anderen über Fußball und Feminismen, über Breitensport sowie über Diskriminierung im Fußball austauschen. Ziel ist es, dass alle in ihren Fähigkeiten gestärkt und besser vernetzt aus den Workshops gehen und in das Turnier starten. Die Workshops sind für alle Spielerinnen und Betreuer_innen offen. Da wir auf Augenhöhe miteinander sprechen und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen wollen, können leider keine externen Personen teilnehmen. Damit aber auch diese von den Diskussionen etwas mitbekommen, präsentieren wir die Workshopergebnisse am Samstag auf der Bühne im Stadion.

 

So ein Festival ist ja nun mal auch mit Kosten verbunden – wie finanziert ihr euch?

Marlene: Das Auswärtige Amt hat bisher immer den größten Posten getragen, die EU, das BMI, der DFB, und dann gibt es noch kleinere Geldgeber. 

 

Wie kann mensch euch unterstützen?

Marlene: Wir brauchen Publikum und Volunteers und Ehrenamtliche für Folgeprojekte, und Geld!

 

Gibt es schon Favoriten bei den Teams? Wie stehen die Chancen des DFC Kreuzberg?

Marlene: Ich glaube, dass das Team aus Jordanien sehr stark ist. Dort wird Frauenfußball stark unterstützt. Mit dem Team aus Libanon habe ich schon zusammen trainiert als ich dort war und weiß, dass sie mithalten können. Die Palästinenserinnen sind sicher auch gute Spielerinnen; das Team aus Libyen ist eine Überraschung. Für sie ist es die erste Reise, sie haben ihre Vorbereitungsspiele gegen Jungs ausgetragen. Die Ägypterinnen sind spielerisch bestimmt auch stark… Ich schätze, dass die Tunesierinnen es gegen Jordanien und Libanon schwer haben, aber mal sehen. Das gemischte Team aus Polen und der Ukraine spielt dann zum ersten Mal zu zusammen. Wir kennen einige der Spielerinnen und wissen, dass sie sehr engagiert sind. Auch unser eigener Verein, der DFC Kreuzberg, wird bestimmt gut mitspielen können, sie trainieren schon fleißig.

 

 

1 Anm.d.Red.: Dabei handelt es sich um den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm “Football Under Cover”