Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra

Amanda Palmer im Interview

Sie ist Sängerin, Performerin, Künstlerin;

Sie hat als Straßenkünstlerin angefangen und wurde als eine Hälfte der Dresden Dolls bekannt;

Sie hat ihre Plattenfirma in den Wind geschossen und via Crowdfunding gezeigt, dass das Musikgeschäft auch anders funktionieren kann;

Sie ist wie keine andere im ständigen Kontakt mit ihrer “Crowd” – sei es über ihren Blog, Twitter, Instagram oder beim Stagediven auf ihren hochintensiven Konzerten;

Sie kritisiert und polemisiert, lässt sich nicht von Klatschblättern vorführen und schickt ihnen bei Bedarf herzhafte “Up yours!“;

Sie ist Amanda Fucking Palmer!

Unsere gute Freundin und Lektorin Unica Peters hat sich vor dem Konzert am 29. Oktober in Hamburg mit Amanda Palmer unterhalten. An diesem Abend hat sie die Europa-Tour zu ihrem Album “Theatre is Evil”, das sie mit dem Grand Theft Orchestra aufgenommen hat, fortgeführt. Ende 2012 hatte sie ihre geplante Tour unterbrochen, um einem schwerkranken Freund beizustehen. Sie sprechen über die Zukunft der Musik, ihre künftigen Pläne – und auch ein wenig über Neil Gaiman.

Wir freuen uns sehr, das Interview hier exklusiv veröffentlichen zu dürfen.

 

UP: Das ist nun der offizielle Neustart der großen Europa-Tour. Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein nach einem Jahr?

AFP: Sehr komisch. Touren und Tourpausen haben etwas leicht Schizophrenes, weil es eine so intensive Aktivität ist. Es ist so reguliert und jeder Tag ist Arbeit. Und dann machst du eine Tourpause, und es fühlt sich irgendwie wie ein Traum an. Sobald du dann aber wieder drin bist, ist es so, als ob du wieder in einen Traum einsteigen würdest. Dein ganzes Leben ändert sich sehr schnell. Ich habe mich an dieses Hin und Her gewöhnt, ich mache es ja jetzt seit – was sind es? – elf Jahren. Dennoch gewöhnst du dich nie richtig daran, es ist ziemlich unwirklich. Es ist wie der Wechsel zwischen zwei Extremen, es gibt immer einen kleinen Ruck wie beim Eintritt in eine andere Atmosphäre.

UP: Du hattest die Tour verschoben, weil dein sehr guter Freund Anthony schwer krank wurde. Ich finde, das passt zu dem, was du in deinem TED-Vortrag gesagt hast: Dass es sich lohnt, Risiken einzugehen und darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Wie ist es nun für dich, die Tour wieder aufzunehmen? Gabe es negative Reaktionen, waren Menschen wütend wegen der Tickets?

AFP: Nein, niemand war wütend oder auch nur enttäuscht. Ich glaube, die Leute konnten meine Entscheidung total verstehen. Das ist einer der vielen Vorteile einer so engen Beziehung zur eigenen Fanbase, dass es wirklich mehr wie eine verständnisvolle Freundschaft ist. Solange du nicht aufhörst, zu kommunizieren, gibt es eine große Flexibilität. Ich sehe es aber nicht als selbstverständlich, dass ich das Privileg und den zeitlichen Spielraum hatte, meine Tour unterbrechen zu können, und dass ich mir nicht zu viele Gedanken wegen des Geldes machen musste, weil ich meinen Ehemann [der bekannte britische Autor Neil GaimanAnm.d.Red.] hatte, der mich aufgefangen hat. Für eine unabhängige Feministin ist das eine schwierige Sache. Aber ich habe es getan, weil ich es konnte und weil es das Richtige war. Ich nahm Neils Hilfe an und verlor mehrere zehntausend Dollar durch die Absage der Tour. Aber ich bereue es nicht. Ich würde es zwar nicht noch mal machen, aber ich konnte mich dadurch meinen eigenen Ängsten stellen, wenn es darum geht, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Das ist sehr lustig wenn man bedenkt, worüber ich diesem TED-Talk sprach, und dass ich ja immer predige “Lass dir helfen, bitte um Hilfe, nimm sie an!“ – und als es dann um mich und meinen Ehemann ging, hatte ich praktisch einen Nervenzusammenbruch bevor ich Hilfe annehmen konnte. Aber dann habe ich es doch getan.

UP: Ich frage mich, ob du, wie einige andere Frauen, schon mal die Erfahrung gemacht hast, nur noch als “Die Frau von…” wahrgenommen zu werden, sobald du einen bekannten Mann an deiner Seite hast.

AFP: Ich glaube, ich habe das Glück, eine starke, ausreichend bekannte Persönlichkeit zu sein, sodass ich üblicherweise nicht in Neils Schatten stehe. Aber in den Momenten, wo es doch passiert, fühle ich mich sehr unwohl. Das passiert schon mal auf Veranstaltungen, die weit entfernt von meiner Welt sind und tief in seiner … wenn wir z.B. auf einem Buchkongress sind, der nicht mal mit ihm oder seiner Arbeit etwas zu tun hat. Diese Menschen dort wissen eigentlich nicht viel über Neil – sie nur wissen, dass er ein Bestseller-Autor ist, aber sie sind sich nicht wirklich seiner Fanbase bewusst. Und ganz sicher wissen sie nicht, wer ich bin oder dass ich ein Rockstar bin. Sie wissen nur, dass Neil Gaiman ein bekannter Autor ist, und gerade eine merkwürdig aussehende Braut neben ihm steht. Ich merke wirklich den Unterschied: Wenn Leute mich nicht kennen, nehmen sie nicht wahr, dass ich diese kraftvolle Frau bin, die in ihrem Bereich bekannt ist. Wenn die Leute mich und den Kontext, die Verbindung kennen, dann reden sie mit uns beiden, sie beziehen mich dann mit ein. Aber wenn sie das nicht tun, fühlt es sich an als wäre ich die unbedeutende Freundin: Sie schauen mir nicht in die Augen, zeigen mir keinen Respekt. Ich bekomme nicht mal ein Getränk angeboten. Die ganze Aufmerksamkeit liegt dann auf Neil, weil er der große, berühmte Mann ist. Das ist sehr interessant – solche Situationen verletzen mich nicht, da ich ja genug von der anderen, positiven Seite abbekomme. Aber wenn es passiert, dann versuche ich das komplett aus der Außenperspektive zu betrachten, und stelle mir vor, wie es wohl sein muss für viele Frauen, die mit berühmten Männern verheiratet sind, und komplett ignoriert werden. Das muss echt schwierig sein. Diese Erfahrung hat tatsächlich mein Verhalten gegenüber Paaren beeinflusst. , Jetzt, wo ich mit Neil verheiratet bin, und auch selbst immer bekannter werde, lerne ich eine Menge bekannte Persönlichkeiten kennen. Ich bemühe mich dann immer, deren Partner nicht hinten anzustellen, egal, welche Art von Beziehung die haben. Mit wem sie auch zusammen sind: Ich achte genau darauf, diese Person genauso ernst zu nehmen und ihr den gleichen Respekt entgegen zu bringen wie der Berühmtheit – weil ich jetzt weiß, wie es sich anfühlt.

UP: Denkst du, bekannte Menschen – meistens sind es Männer – sind sich dessen bewusst? Denkt Neil über solche Zusammenhänge nach?

AFP: Neil ist sich nicht wirklich solcher Sachen bewußt, und ich glaube, das liegt daran, dass es nie nötig war, dass er sich an solcher Situationen gewöhnt. Er steht schon sein ganzes Leben im Mittelpunkt und seine [erste] Frau nahm nie teil an seinem gesellschaftlichen Leben. Sie reiste nicht mit ihm oder besuchte ihn auf Tour, sie war nicht wie ich, sie war nicht selbst aktiv im künstlerischen Bereich. Sie blieb zu Hause. Deshalb ist es für ihn schwer, sich an die neue Konstellation zu gewöhnen. Und wenn wir Konflikte haben, dann in dem Bereich. Aber es gilt auch andersrum. Wenn wir in meiner Welt sind und es ist meine Show, und Neil ist dabei und fühlt sich unbedeutend, dann wird er sehr mürrisch (sie kichert). Sich um einen Celebrity-Gast kümmern, der auch noch dein Gatte ist, kann sehr schwierig sein, weil du nicht das Gefühl haben möchtest, dass er eine Spezialbehandlung kriegt, aber irgendwie tut er das. Das ist ein schwieriger Tanz…

UP: Aber in diesem Interview soll es ja um dich gehen, also lass uns über deinen Kontakt mit dem Publikum reden. Du sprichst viele Themen sehr direkt an in deinen Liedern . Wenn ich Leuten versuche zu erklären, worum es in deinen Liedern geht, klingt das manchmal etwas beunruhigend: “Sie singt Lieder über Abtreibungen, Vergewaltigung, Krieg, globale Erwärmung” und einige denken dann “Wieso sollte ich mir das anhören?” Welche Vorteile hat es für dich, in deinem Blog, in deinen Liedern und ganz generell so offen zu sprechen und dich gewissermaßen transparent zu machen?

AFP: Der Vorteil? Ich weiß es nicht… Was ist der Nachteil? So ist nun mal meine Persönlichkeit. Ich denke da nicht so strategisch.

UP: Das wollte ich damit gar nicht sagen.

AFP: Ich weiß. Aber das ist einfach eine Frage, die schwer zu beantworten ist…Ich kann mir nicht vorstellen, es anders zu machen.

UP: In dem TED-Vortrag hast du auch darüber gesprochen, dass es deiner Meinung nach für Künstler*innen immer wichtiger werden wird, mit ihren Fans in Kontakt zu stehen und viele Live-Auftritte zu spielen. Wie siehst du das nun für Künstler*innen, die introvertierter sind?

AFP: Ich wünschte, ich hätte eine gute Antwort. Ich glaube, es wird zwei Möglichkeiten geben, eine pessimistische und eine optimistische. Im schlimmsten Fall wird es wie bei Darwin und viele der Künstler*innen, die sich bisher einfach vom System tragen lassen konnten, die keine Lust haben, sich zu kümmern oder groß zu interagieren, werden wahrscheinlich auf der Strecke bleiben. Das ist natürlich scheiße, wird aber vielleicht die bittere Realität sein. Im besten Fall werden wir, wenn sich die Gesellschaft weiterentwickelt, zu Menschen, die sich um die eher scheuen, verletzlichen, nicht internetaffinen Künstler*innen kümmern und ihre Musik weitertragen. Aber wenn wenn wir uns den Verlauf der Musikgeschichte anschauen, dann ändern sich Sachen nun mal. Diejenigen Leute, die in ihrer Zeit erfolgreich sind, reagieren üblicherweise auf das, was um sie herum gerade passiert, und passen sich dem an. Ende des 17. Jahrhunderts gab es z.B. nicht viele Jobs für Jazzmusiker, die toll improvisieren konnten. Du musstest Kirchenmusik auf der Orgel spielen und in dieser Richtung improvisieren – so lief das damals. Wo du geboren wirst, zu welcher Zeit und welche Technologie gerade vorherrschend ist, bestimmt gewissermaßen das Spielfeld deiner Kunst. Große Künstler*innen brechen daraus ausmachen ihr eigenes Ding und schaffen es, ein Publikum für sich zu gewinnen. Aber dafür müssen sie gewöhnlich viel Lärm machen. Gerade wenn deine Kunst unkonventionell ist, musst du gut darin sein, zu sagen: “Kommt verdammt nochmal her, ich mache was Besonderes!” Wenn du nur da sitzt und dein Ding machst, dann wird es keiner bemerken.

UP: Nun zu deinen Plänen, ein Buch zu schreiben: Ende August hast du in deinem Blog deine Community aufgerufen, dich dabei durch Ideen und Input zu unterstützen. Wie sind die Rückmeldungen? Hat es dir tatsächlich geholfen, erste Entwürfe zu entwickeln oder bist du gerade eh zu beschäftigt wegen der Tour?

AFP: Ich bin ziemlich beschäftigt während der Tour, aber es kocht langsam vor sich hin in meinem Kopf, wie ein Süppchen. All die Gespräche und die Gedanken und sogar die Dinge, über die wir gerade reden, werden irgendwie Teil des Buchs werden. Im Januar und Februar werde ich aber ernsthaft anfangen, mich hinzusetzen und zu schreiben.

UP: Zu den musikalischen Einflüssen auf deinem aktuellen Album: Da ist sehr viel Synthesizer dabei diesmal, und in einigen der Covers, die du machst auch – ist das nur so ein Experiment deinerseits oder gehst du Richtung Glam Rock?

AFP: Das letzte Album ist genau das Album, das ich machen wollte. Die Lieder, die ich geschrieben hatte, wie “The Killing Type” und “Want it back” klangen so eindeutig nach Songs aus den 80ern dass ich es einfach durchgezogen habe. Ich denke aber, dass es in jeder Schaffensphase anders wird. Ich weiß es nie vorher. Irgendwie lasse ich den Kern der Songs entscheiden, welcher Stil es wird. Ich komponiere am Klavier oder auf der Ukelele, und sobald ich ein Lied geschrieben habe, weiß ich, wie es zu klingen hat. Aber ich entscheide nicht, wie ein Lied zu klingen hat, ehe ich es schreibe. Normalerweise sagt es mir “Ich bin ein Glam-Lied, ich bin ein Synth-Song, ich bin ein Solo-Klavier-Stück” und es ist klar. Aber es fühlt sich nicht so an wie meine Entscheidung, sondern wie eine, die das Lied trifft, sobald es geschrieben ist.

UP: Du bist auch gerne Mentorin für andere Künstler*innen. Vor einigen Jahren etwa hast du den jungen Musiker Tristan Allen unterstützt. Wie läuft es für ihn?

AFP: Er hat ein Musikstudium angefangen und studiert immer noch. Es läuft sehr gut für ihn. Er war den ganzen Sommer auf Tour, an der Westküste. Es ist sehr spannend, Tristans Weg zu verfolgen, weil er überhaupt nicht wie ich ist in Bezug auf das Internet. Er hat keine Onlinepräsenz, kein Facebook, kein Twitter, nichts.

UP: Hat er denn eine Webseite?

AFP: Kann sein, dass er eine Bandcamp-Seite hat. [das hat er tatsächlich, siehe hier. Er scheint wohl mittlerweile auch Facebook etc. zu haben, wenn auch nicht mit regelmäßigen Updates — Anm.d.Red.] Er will einfach nur Musik machen. Es wird also spannend zu beobachten, was passieren wird. Er ist in einer ganz anderen Szene als ich aktiv, was mir gefällt. Er ist in dieser avantgardistischen elektronischen Musikszene involviert, lauter junge Leute um die Zwanzig, die ihre verrückten Sachen durchziehen. Ich kenne keine der Bands, die er hört. Jedes Mal wenn ich in seinem Apartment vorbeischaue, hört er irgendwas, von demich noch nie gehört habe, ziemlich faszinierende Glitch-Elektro-Musik.

UP: Hattest du denn Mentor*innen für deine eigene Karriere?

AFP: Weißt du, ich hatte tatsächlich keine, was ziemlich traurig ist. Ich schaue zurück und denke mir: „Wow, das habe ich tatsächlich allein gemacht.“ Da gab es keine älteren Musiker*innen, mit denen ich aufgewachsen bin. Na ja, als ich meine Band gegründet habe und wir bekannt wurden, da konnte ich mir Leute schnappen und mit denen reden und mir Tipps geben lassen, und ich saß da, hörte zu und versuchte, was zu lernen. Aber bis zu dem Zeitpunkt habe ich mir so ziemlich alles selbst beigebracht und mir den Durchblick verschafft.n. Ich beobachtete Menschen. In der Anfangszeit der Dresden Dolls las ich sehr, sehr viele Musikmagazine, und auch viele Bücher. Ich las die Bibel der Musikindustrie, nämlich Donald Passmans Buch über die Musikbranche. [All You Need to Know About the Music Business, Anm. d. Red.]. Ich versuchte mir Wissen darüber anzueignen, wie die Dinge funktionieren, auch die langweiligen Sachen. Wie das Veröffentlichen funktioniert, wie Plattenfirmen arbeiten, wie das mit den Tantiemen ist, wie Agenten arbeiten. Meistens habe ich durch Fehler dazu gelernt und dadurch, dass ich andere beobachtete. Die meiste Zeit kam ich mir blöd vor, weil ich dachte, ich müsste all diese Sachen einfach wissen, obwohl sie mir fremd waren. Das geht vielen Bands so. Die meisten haben keinen blassen Schimmer wie sie es machen sollen, bis sie es machen. Dann stolpern sie da rein und tun es! Oder sie haben das Glück, einen Manager zu finden, der sie da durch begleitet. Aber mitunter ist das Ganze ein sehr harter Job, weil es keine Anleitung dafür gibt.

UP: Was steht bei dir als Nächstes an? Du hast so viele Projekte. Zum Beispiel Evelyn & Evelyn - wird da nochmal was kommen?

AFP: Evelyn & Evelyn ist ein sehr spezielles Nebenprojekt, das ich gemacht habe, damit ich mit Jason Webley abhängen kann. Vielleicht machen wir wieder was zusammen, aber ich weiss nicht, ob es wieder dieses Projekt sein wird. Und dann gibt es ja noch die Dresden Dolls; wir machen auf jeden Fall noch mehr zusammen. Dann muss ich ja dieses Buch schreiben. Im Herbst werde ich an einem großen Theaterprojekt arbeiten. Und: Neil und ich haben gerade ein Haus gekauft, in New York. Mein nächstes großes Projekt im Leben, nach dem Buch, ist also, ein Haus aufzubauen. Ich hatte noch nie ein Haus, deswegen will ich es richtig machen. Und das braucht Zeit. Du kannst nicht unterwegs sein und ein Haus einrichten, das funktioniert einfach nicht.

UP: Na, das ist doch ein guter Abschluss. Du startest dein Projekt “Musik-Haus”..

AFP: Ja…Ich denke, ich will mich auch noch mehr austauschen. Ich genieße das sehr in letzter Zeit. Ich habe inzwischen viel gelebt, bin viel gereist und mir gefällt die Idee, für eine Weile innezuhalten und zu teilen, was ich gelernt habe, und zu helfen, ehe ich wieder meine Sachen packe und auf die Reise gehe.

UP: Würde das dann mehr im nicht-virtuellen Raum stattfinden? Online bist du ja schon sehr aktiv an Gesprächen beteiligt.

AFP: Das ist eigentlich alles dasselbe, es hängt zusammen. Einiges wird online sein, einiges in New York und anderes… sehen wir dann. Ich finde den jetzigen Zeitpunkt im Weltgeschehen sehr faszinierend. Es ist sehr interessant zu sehen, was gerade mit dem Feminismus passiert. Es ist so, als hätten sich alle aufgerichtet und die Köpfe erhoben, und würden etwas mehr darüber reden, was großartig ist. Ich könnte all meine Zeit damit verbringen, über diese wichtige Sache nachzudenken und zu diskutieren. Aber gleichzeitig sind auch die Erde und das Klima dabei aus den Fugen zu geraten. Es sieht zwar so aus, als wären das zwei grundverschiedene Themen, aber das sehe ich anders. Ich glaube, je mehr Macht Frauen bekommen – und wenn du dir nur anschaust was in der Gesellschaft passiert, wie Mädchen besser in der Schule werden, und mehr Frauen ein Studium beginnen ­… Sie können sehr viel bewegen und, wenn sie richtig ausgebildet und eingespannt werden, sogar eine revolutionäre Kraft werden, die möglicherweise diesen Planeten vor dem Aussterben retten könnte, was bald passieren wird. Es ist zu diesem Zeitpunkt fast unausweichlich, wenn wir nicht extreme Maßnahmen treffen. Und mich interessiert zunehmend, wie diesen beiden Themen, diese beiden Revolutionen sich kreuzen und die Welt verändern könnten, die eine Veränderung dringend nötig hat. Sonst werden wir alle in 50 Jahren sterben, was ich nicht miterleben möchte. Also werde ich nach Hause gehen und darüber nachdenken, und mir überlegen, wie ich helfen kann.

Interview und Lektorat: Unica Peters; Übersetzung aus dem Englischen: Sandy Artuso