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Brücken bauen – Zusammenarbeit fördern

Vor zwei Monaten berichteten wir an dieser Stelle über ein neuntägiges Seminar, bei dem Menschen aus Litauen, Österreich, Portugal und Polen in Berlin zusammen kamen, um gemeinsam Lösungen zu finden gegen Homo- und Transphobie, und gegen Sexismus. Wir schauen auf das Seminar zurück, und kucken, wie es damit weitergehen wird.

Die knapp 40 Teilnehmer*innen sind in ihren jeweiligen Länder Aktivist*innen der LGBTI-Szene, und so war auch eins der Ziele des Seminars der Austausch von Arbeitsmethoden. In diesen neun Tagen stand ihnen ein solides Programm bevor; sie lernten nicht nur Berliner Institutionen wie u.a. den LSVD, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Queer Leben, TransInterQueer oder LesMigraS kennen, sie konnten auch Vorträge hören und in Workshops Begriffe und Diskurse erarbeiten. Ferner wurde auch ein Blog aufgebaut, an dem sich alle Teilnehmer*innen beteiligen konnten, und der auch öffentlich einsehbar ist. Schließlich fand am 28. März eine öffentliche Veranstaltung statt, bei der sich die Teilnehmer*innen einem interessierten Publikum vorstellten, und die rechtliche und gesellschaftliche Situation von LGBTI in ihren jeweiligen Ländern erläuterten. Gerade an dem Abend wurde einem nicht nur die unterschiedlichen Lagen bewusst; es wurde auch deutlich, wie wichtig solche Plattformen sind, um einander kennen zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Diana, Tanja und Faustin vom Orga-Team

Diana, Tanja und Faustin vom Orga-Team

Dieses Seminar wurde von solar e.V. organisiert, ein Berliner Verein, der seit Jahren politische Bildung durchführt und Workshops organisiert zu Themen wie u.a. Nachhaltigkeit / Ökologie und Antirassismus. Die Mittel zur Finanzierung dieses Seminars kamen aus dem europäischen Programm “Jugend in Aktion” (ein Programmteil des ERASMUS+ -Programms), welches Aktionen fördert, die im Sinne einer innereuropäischen Kooperation und Weiterbildung agieren. Auch wenn es einer gewissen Erfahrung bedarf, um einen solchen Antrag erfolgreich zu stellen, ist es interessant zu wissen, dass für solche Initiativen europäische Gelder bereit stehen. Doch auch trotz dieser Finanzierungshilfe war das Budget überschaubar, und das Berliner Organisations-Team um Diana Böhme hat festgestellt, dass Kofinanzierungen notwendig sind, um solch eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Dafür brauchten die Teilnehmer*innen lediglich einen überschaubaren Eigenbeitrag aufbringen. Im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg fanden sich im Gästehaus die geeigneten Räumlichkeiten für eine solche Veranstaltung.

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Das Berliner Orga-Team sieht die Ziele erreicht: nicht nur wurde eine Plattform für einen Austausch geboten, die Aktivist*innen konnten neue Bekanntschaften und Freundschaften schließen, die für den gemeinsamen Kampf gegen Diskriminierung wichtig sind. Sie konnten neue Arbeitsmethoden erlernen, und die nun in ihre Arbeit “zuhause” einfließen lassen. Auch nach dem Seminar sind die Teilnehmer*innen in Kontakt geblieben – über soziale Medien wird der Austausch rege weitergeführt. Dies war auch eins der Punkte, die die Organisator*innen besonders erfreute – wie auch auf persönlicher Ebene die Gruppe zueinander fand, so dass der Abschied am Ende der neun Tage besonders schwer fiel. Nach dem Seminar ist aber auch vor dem Seminar: Portugal und Österreich planen wohl schon eine Fortsetzung, so dass die Erwartungen des Berliner Teams aufgegangen sind. Denn das Seminar ist als Zyklus geplant gewesen, und die Berliner Episode war der Auftakt. Das Berliner Team hat in Bezug auf Antragstellung und Organisation in der Woche eine Übersicht gegeben, die von den Teilnehmer*innen genutzt werden kann, um ihrerseits eine ähnliche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Auch wenn eine Woche nach den EU-Wahlen die Ernüchterung groß sein mag; im Hinblick auf die wachsenden nationalistischen Stimmen (um nur ein Ismus zu nennen…) in Europa, ist es wichtiger denn je, an einem Strang zu ziehen, auch über die Grenzen hinweg. In diesem Sinne möchten wir doch hoffen, dass solche Seminare weiterhin ihre Früchte tragen.

Sandy Artuso


Die teilnehmenden Vereine / Aktivist*innen:

Aus Litauen: Lithuanian Gay League
Aus Portugal: rede ex aequo; Casa
Aus Österreich: re:active, Verein zur Förderung von selbstorganisierter Kunst und Kultur, Wissenstransfer und Jugendpartizipation mit Sitz in Wien; Dezentrales Netzwerk für Kunst- Kultur und Medienalternativen KuKuMa; Queer Referate der KF und der HU Graz; Autonomes Frauen-Lesben Zentrum Innsbruck; Homosexuellen Initiative Linz; Das Mensch. Gender_queer on Air
Aus Polen: Culture for Tolerance Foundation; Foundation Factory UTU ( Fundacja Fabryka UTU); Tęczówka organization
Aus Deutschland: LSVD Berlin-Brandenburg