©Marc Holzapfel  / pixelio.de

Frauenfußball – Nachbericht: Algarve-Cup

Es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, um eine Kolumne zum Frauenfußball zu starten: Algarve Cup, die spannende Endphase der Saison in der Liga, und dann ist da ja auch noch die WM in Kanada!

von Elisabeth Beathalter

Aber der Reihe nach: zum 22. Mal wurde vom 4. bis 12. März in Portugal der Algarve Cup ausgetragen. Jedes Frühjahr treffen sich hier Gastgeberin* Portugal sowie 11 weitere Teams, um unter besten Bedingungen zu trainieren und auszuprobieren. Mit jeweils drei Gruppenspielen und einem Platzierungsspiel in 8 Tagen können hier Turnierbedingungen simuliert werden – anspruchsvolle Gegnerinnen inklusive.

In Gruppe A traf Titelverteidigerin Deutschland auf Schweden, China und Brasilien. Gruppe B setzte sich aus den USA, Norwegen, der Schweiz und Island zusammen. In Gruppe C spielte die amtierende Weltmeisterin Japan gegen Dänemark, Portugal und Frankreich. Die vollständigen Kader aller teilnehmenden Teams gibt es hier.

Vor einigen Monaten wurde Silvia Neid gefragt, wer denn ihre Schlüsselspielerinnen in Kanada sein werden. Wohl in Anspielung auf das Verletzungspech vor der Europameisterschaft 2013, antwortete Neid im Interview bei dw.de, dass man erst einmal die nächsten Monate abwarten müsse um zu sehen, welche Spielerinnen denn überhaupt gesund und fit seien. Ihre Worte erhielten vor dem jetzigen Turnier fast prophetischen Charakter, denn die Bundestrainerin musste neben den Langzeitverletzten Nadine Keßler, Saskia Bartusiak und Lena Lotzen auch kurzfristig auf Josephine Henning (Innenverteidigung), Bianca Schmidt (Außenverteidigung), Melanie Behringer (Mittelfeld) und Pauline Bremer (Sturm) verzichten. Nachnominiert wurden Magarita Gidion, Tabea Kemme, Anna Blässe und Lena Petermann.

Für Neid und ihr Team ging es an der Algarve auch deshalb vor allem um das Ausprobieren im Hinblick auf die im Juni beginnende WM. Experimente gab es zum Beispiel im defensiven Mittelfeld, auf der sogenannten Doppel-Sechs. Hier spielten abwechselnd Lena Goeßling, Dzsenifer Marozsán, Melanie Leupolz und Sara Däbritz – wohl auch um für die WM die bestmögliche Kombination zu finden und gegebenenfalls Weltfußballerin Nadine Keßler ersetzen zu können. Auch in der Abwehr wurde verletzungsbedingt viel ausprobiert und rotiert – auch aufgrund der Ausfälle von Saskia Bartusiak und Luisa Wensing, die sich im zweiten Gruppenspiel gegen die Chinesinnen leider das Wadenbein brach. Neben dem Finden einer idealen Startformation ging es natürlich auch um Arbeit im taktischen Bereich und darum einen Spielrhythmus aufzubauen.

Das deutsche Team startete fulminant ins Turnier und führte nach drei Minuten 2:0 gegen die erste Gruppengegnerin Schweden. Nach und nach kämpften sich die Schwedinnen aber wieder zurück ins Spiel, begünstigt auch durch die deutschen Spielerinnen, die zunehmend die Ordnung, die Bälle und die Ruhe im Spiel verloren. So endete das Spiel 4:2 für Schweden und Neid beklagte gegenüber kicker.de zu viele Rückpässe und individuelle Fehler ihrer Spielerinnen.

Gegen die Chinesinnen trat das deutsche Team mit einer fast komplett veränderten Startformation an. Im Laufe des Spiels kamen mit Lena Petermann, Anna Blässe und Magarita Gidion drei Spielerinnen zu ihrem Debüt im Team von Silvia Neid. Die deutschen Spielerinnen standen insgesamt defensiv sicher und spielten hauptsächlich nach vorne – allerdings fehlte es oft noch an der Genauigkeit beim letzten Pass oder der nötigen Zielsicherheit beim Abschluss. Durch einen Distanzschuss von Anja Mittag und einen weiteren Treffer von Alexandra Popp endete das Spiel schließlich 2:0, ohne dass China zu nennenswerten Torchancen gekommen wäre.

© Anders Henrikson - a_26_4988. Licensed under CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

© Anders Henrikson – a_26_4988. Licensed under CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Die vermutlich beste Turnierleistung zeigte das Team im letzten Gruppenspiel gegen die Auswahl Brasiliens. Die deutschen Spielerinnen waren sehr engagiert und lauf-freudig und versuchten – wie auch gegen Schweden – mit aggressivem Pressing schon den Spielaufbau der Gegnerinnen zu unterbinden und diese so nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Das gelang im Gegensatz zum Eröffnungsspiel über weite Strecken sehr gut, auch weil die Spielerinnen konsequent nachrückten, zurück arbeiteten und verschoben, und so mit deutlicher Überzahl auf die ballführende Brasilianerin gehen konnten. Dennoch mangelte es wie auch schon gegen die Chinesinnen an der Chancenverwertung, so dass das Spiel sehr lange spannend blieb. Den Führungstreffer erzielte schließlich Alexandra Popp durch einen sehenswerten Kopfball in der 39. Minute. Brasilien gelang in der 47. Minute nach Freistoß von Marta der etwas glückliche Ausgleich, da Lena Goeßling einen Kopfball von Bruna Benites kurz vor dem Tor noch unhaltbar abfälschte. Zwei Minuten später traf Celia Šašić jedoch zum 2:1 für Deutschland bevor Dzsenifer Marozsán in der 56. Minute den 3:1 Endstand erzielte.

Im abschließenden Platzierungsspiel trafen die Deutschen wieder auf die Schwedinnen. Einen Link zum Nachvollziehen wie diese erneute Begegnung zustande kam, gibt es hier.
Das Deutsche Team stand besser und spielte geordneter und sicherer als noch im Eröffnungsspiel, dennoch gelang es nicht die gefährlichen Konter der Schwedinnen restlos zu unterbinden. Das bis zum Abpfiff spannende Spiel endete schließlich 2:1, und die Deutschen belegten mit diesem Sieg zum ersten Mal den 3. Platz beim Algarve Cup.

Und wie haben die anderen Teams sich geschlagen? Die Schwedinnen verloren nach dem Auftaktsieg 0:2 gegen Brasilien, bevor sie sich klar (3:0) gegen China durchsetzen konnten. Nach durchwachsenem Turnierverlauf (glückliches 2:1 gegen Norwegen, 3:0 gegen die Schweiz und 0:0 gegen Island) gewannen die US-Amerikanerinnen das Finale gegen Frankreich mit 2:0. Das kam für einige überraschend, denn die Französinnen waren als einzige mit drei Siegen durch die Gruppenphase gekommen, unter anderem setzten sie sich nach Rückstand mit 3:1 gegen Weltmeisterin Japan durch, und gewannen auch 4:1 gegen die Däninnen. Die Japanerinnen belegten am Ende, auch aufgrund einer etwas überraschenden 2:1 Niederlage im Eröffnungsspiel gegen Dänemark, den 9. Platz. Zur besten Spielerin des Turniers wurde die Französin Eugénie Le Sommer gekürt, die meisten Treffer erzielte die Schwedin Sofia Jakobsson (vier, drei davon gegen Deutschland). Insgesamt zeigt der Algarve Cup, dass es für Kanada keine klare Favoritin gibt, und am Ende sehr viel vom Turnierverlauf und der Tagesform abhängt.

Im Vorfeld testet das deutsche Team übrigens am 8. April in Fürth nochmals gegen Brasilien (das Spiel stand schon vor der Gruppenauslosung an der Algarve fest) und am 27. Mai auf Kunstrasen gegen die Schweiz.

*Eine kleine Anmerkung zur Sprache: die deutsche Fußballsprache ist meist maskulin und kennt Weltmeister, Sieger und Mannschaften – jedoch selten Weltmeisterinnen, Titelverteidigerinnen usw. Deshalb werde ich hier durchgehend das Femininum verwenden, auch an Stellen an denen das vielleicht grammatikalisch unorthodox ist, so bei Gruppenbezeichnungen wie Gastgeberin Portugal, Teilnehmerin Schweden etc. Dies sind auch absichtliche Stolpersteine, die bewusst auf oben genanntes Problem aufmerksam machen sollen. Das hier durchgehend von Teams und nicht von Mannschaften gesprochen wird, erklärt sich dann auch von selbst. Aufgrund der im Profifußball doch sehr konservativen Definitionen von Gender/Sex habe ich mich aber auch entschieden auf noch inklusivere Sprachformen (Unterstrich/Asterix) zu verzichten – auch um diesem Problem Rechnung zu tragen, und es nicht zu kaschieren. Dies ist erstmals ein Versuch zu dem ich mich für diesen Text entschieden habe, und ich bin für Anregungen und Ideen grundsätzlich offen.

[Copright Beitragsbild: © Marc Holzapfel / pixelio.de]