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Homo heißt Mensch – Wandlungsbedarf e.V.

Homo heißt Mensch – Wandlungsbedarf e.V. im Kampf für gleiche Rechte

 

von Sandy Artuso

 

Unter dem einfachen, aber bestechenden Motto “Homo heißt Mensch”, kämpft der in Heidelberg* ansässige Verein Wandlungsbedarf e.V. für gleiche Recht für homosexuelle Paare in Bezug auf Eheschließung und Adoption. Wir haben uns mit den Macher*innen getroffen und wollen euch, kurz vor dem Auslaufen ihrer Petition, ihre Arbeit vorstellen.

Nachdem vor weniger als zwei Jahren Lale und Matthias, die „Eltern“ von Wandlungsbedarf, feststellen mussten, dass homosexuelle Paare immer noch nicht die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Paare – sei es auf der Ebene der „Ehe“, sei es in Bezug auf Adoption – beschlossen sie, das nicht auf sich sitzen zu lassen, sondern etwas dagegen zu tun. Die Idee, für die sich dann bald weitere Mitstreiter*innen fanden, war, mit Aktionen und Veranstaltungen auf die vorherrschende Situation hinzuweisen, und darüber aufzuklären, wie die Rechtslage für homosexuelle Paare mit Ehe- aber auch Adoptionswunsch ist. Der erste konstituierende Schritt führte zur Gründung eines eingetragenen Vereins, wofür zum Teil noch Lales Familie miteinbezogen wurde, um auf die nötige Zahl zur Vereinsgründung zu kommen. Eine Webseite wurde eingerichtet, auf der mensch sich Informationen holen kann zu Themen wie Ehe- und Adoptionsrecht. Nach der ersten Soli-Party in der Villa Nachttanz, der Heidelberger Kult-Einrichtung für Querdenkende aller Art, hatte sich die Mitgliedszahl bereits signifikant erweitert. Dann wurde der Fokus genauer ausgerichtet, in dem eine Petition erarbeitet wurde, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, die bestehende Diskriminierungen von homosexuellen „Ehen“ zu beenden. Bald kam die Idee auf, Filmspots zu produzieren, um dieser Petition den nötigen medialen Aufwind zu geben. Die Finanzierung wurde über Crowdfunding anvisiert und realisiert. Mittlerweile war aber aus dem Videoprojekt längst mehr als ein Begleitmedium geworden, und als Wandlungsbedarf bei einer großen Premierenfeier in Heidelberg am 31. Januar 2014 mit den Videos an die Öffentlichkeit ging, hatten sie einen beachtlichen Arbeitsaufwand in kurzer Zeit vollzogen.

Die drei Spots, die nun als Kurzfilmreihe “Home” auf ihrer Webseite zu sehen sind, und deren Verbreitung im Netz von den Macher*innen höchst erwünscht ist, sind mit professionellen Mitteln entstanden, was sich auch an der technischen Qualität sehen lässt. Erzählt wird in diesen 3 Spots Momente aus dem Leben einer „Regenbogenfamilie“. Zugegeben, ein gewisser Pathos schwingt schon in diesen Clips mit, und für das queere Volk mag das gezeigte Bild mitunter sehr normativ wirken. Aber es ist wichtig zu betonen, dass das Zielpublikum dieser Videos Menschen sind, die es noch zu überzeugen gilt, dass Menschen jenseits der heterosexuellen Norm nicht nur eine Existenz- sondern  auch eine Erziehungsberechtigung haben.

Aber zurück zur Geschichte: Nun waren zwar die Videos fertig, es galt aber immer noch, die Petition durch zu setzen. So setzte sich dann ein Wandlungsbedarf – Team in Lales Bus und startete eine Art Promo-Tour durch Deutschland. Ziel war es, lokale Organisationen und LGBTTIQ-Aktivist*innen in den besuchten Städten kennen zu lernen, und auf ihr Projekt aufmerksam zu machen. Dies alles musste mit nur wenig Vorbereitungszeit umgesetzt werden, aber die Ergebnisse – allein schon auf menschlicher Ebene – waren sehr positiv für die Heidelberger*innen. Höhepunkt der Tour war eine Aktion vor dem Bundestag in Berlin, welche nun auch auf Video nachzuerleben ist.

“Es passiert was – wir wissen zwar noch nicht genau was, aber es passiert!” (Laura)

 

Und nun? Der Stand der Petition sieht leider mau aus (Stand: 30.3.14, 19.59h: 7614 Unterschriften), was aber bestimmt nicht am mangelnden Wandlungsbedarf der Gesellschaft liegt. Auf der administrativen Ebene gab es schon mal das Problem, dass die Petition nicht über den offiziellen Bundestagspetitionsserver anlaufen konnte, weil zeitgleich bereits eine ähnliche Petition lief. Allgemein sind die bürokratischen Hürden nicht klein, wenn mensch eine Petition aufstellen will. Zusätzlich muss dann auch nach Erfolg einer Petition der Bundespetitionsausschuss passiert werden…Honni qui mal y pense – aber der Einsatz der Bürger*innen wird einem nicht wirklich einfach gemacht. Zusätzlich half es ironischerweise nicht, dass andere Petitionen bzw. Streitthemen so überpräsent in den Medien waren in den letzten Wochen. Statt dass dadurch das Bewusstsein der Gesellschaft geschärft wurde, bemerkten die Macher*innen eher einen Verdruss. Die 50 000 Unterschriften werden heute wahrscheinlich nicht geschafft, aber die letzten Monate haben überwiegend Positives gebracht für den Verein: Nicht zuletzt die Tour durch Deutschland hat ihre Vernetzung vorangebracht, so dass sie für künftige Projekte besser gewappnet sind.

Die engagierte Gruppe aus Heidelberg wird also nicht aufgeben; geplant sind weitere Aktionen in der Rhein-Neckar-Region. Ferner will sich Wandlungsbedarf dem Kampf gegen andere Missstände der Gesellschaft stellen. Die Satzung des Vereins ist so konzipiert, dass sie sich nicht auf ein Thema beschränken müssen. Da sich mittlerweile die Mitgliedszahl vergrößert hat, hat sich der Verein mehr Struktur geben müssen, so dass nun auch diverse Ausschüsse sich die Arbeit aufteilen können. So aufgerüstet, können sie nun den Kampf aufnehmen, und dank neu gewonnener Synergien, ihren Einsatz effektiv nutzen.

 

Wir danken Lale und Laura für die Gespräche und wünschen Wandlungsbedarf e.V. viel Erfolg bei ihren künftigen Projekten.

 

*Heidelberg – ich weiß, ihr lest sehr oft über diese Stadt auf unserer Seite oder in unserem Heft, was daran liegt, dass zwei der Ur-Preziösen dort ihre Wurzeln (familiäre bzw. akademische) haben. Wir freuen uns aber sehr, wenn wir auch Organisationen, Vereine, Aktivist*innen von wo anders als Heidelberg  (oder Berlin… ) vorstellen können. Wenn ihr also von einer Gruppe, einem Verein, o.ä. wisst, auf die wir unser Augenmerk richten sollen, dann schreibt uns auf redaktion [at] freilenzer-verlag.de