Soko Tour Plakat

Konzertbericht: SoKo

von Talula Almond

In den Fußspuren von The Cure wandelt die französische Künstlerin SoKo nun schon seit 2007 durch die Musikwelt und verzaubert mit gefühlvollem Dreampop und intensivem New Wave die Menschheit.
Ende Februar erschien ihr neues Album ‘My Dreams Dictate My Reality’. Genauso können wir uns ihr Leben vorstellen: So gegensätzlich wie Träume sein können, ein ständige Auf und Ab der Emotionen, lebt Soko dennoch die meiste Zeit im Dunkeln. Dies spiegelt sich auch in ihrer Musik wieder. So singt sie in ihrem Lied ‘Temporary Moodswings’:
Temporary mood swings / Now let me show you my expertise / I will perform just a little tease / I scream, I shout / O way too loud / I laugh, I dance / I pee my pants / I scream, I shout / Way too loud / I laugh, I dance, in such a trance / O temporary mood swings / I am a victim of my own desire / In hope that you like me better / I want to be good / […]Till you like me better / I want to be good / […] Till you like me better
Ihre Lieder lassen einen direkten, unverklärten Blick auf ihre innere Zerrissenheit zu.
Im düstersten Lied des Albums ‘My Dreams Dictate My Reality‘, welches auch titelgebend war, erzählt sie
Lost and found / I’ve lost my mind / ‘Cause my dreams dictate my reality / […] My dreams reflect my insanity / And I’m as frightened as I could be / For no longer know what’s reality

Am 12.03. spielte sie im ausverkauften Fritzclub des Postbahnhofs in Berlin. Sie eröffnete das Konzert mit dem Titelsong ihres neuen Albums ‘My Dreams Dictate My Reality‘ und zog das Publikum dadurch sofort in ihren Bann. Denn so erschreckend dunkle Abgründe auch sein können, strahlen sie eine magische Anziehungskraft aus.
Doch schon während des Liedes gab es Soundprobleme. Immer wieder waren Rückkopplungen zu hören. Auch nach dem dritten Lied wurde es nicht besser. SoKo, sichtlich verunsichert und genervt, verließ die Bühne. Die Zuhörer*innen standen ihr mit einer Welle an positiven Rufen und Geklatsche bei. Nach einer kurzen Pause tauchte sie wieder auf, schickte ihre Band von der Bühne und startete das Konzert einfach neu, indem sie alleine am Schlagzeug ‘Nervous Breakdown‘ sang. Eine Art Selbsttherapie, denn ihr ging es danach viel besser. Es sind die kurzen Momente auf Konzerten mit sensiblen Künstler*innen, die einen Abend ins Nichts laufen lassen können, oder zu einer wunderbaren und noch intensiveren Stimmung führen können. Letzteres war an diesem Abend der Fall. Nach diesem kurzen Intermezzo und dank der tollen Reaktion des Publikums lief alles gut.
SoKo sichtlich gerührt und beeindruckt von ihren Fans genoss ihr Konzert. Um ‘I thought I was an Alien’ stilistisch darzustellen, fragte SoKo „who is the worst dancer in the world?“. Eine Frau meldete sich mit “I am!”. Sie wurde von SoKo in die Mitte der Bühne gestellt und sollte so schlecht wie möglich vortanzen, damit das Publikum, welches die Aliens darstellen sollte, die Menschheit kennenlernt, indem es alles nachtanzte. Die nächste Interaktion erfolgte dann zu dem Lied ‘Bad Poetry‘. Ein Mensch sollte auf die Bühne kommen, der/die ein sehr schlechtes Gedicht rezitieren konnte. SoKo holte eine sehr schüchterne, junge Frau zu sich, die, nach kurzer Unsicherheit, aber dann mit Unterstützung des Publikums, etwas auf Polnisch sagte, dass in etwa “ Fuck the fuckers and stuff“ bedeutete.
Mit ‘We might be dead by tomorrow‘ – ihre “romantic version of YOLO“ – schloss SoKo das Konzert und verabschiedete sich so von einer glücklichen Menge.

Es war ein wirklich aufregender Abend und ein wundervolles, fesselndes Konzert. Gute 90 Minuten beglückte die sonderbare und unheimlich sympathische Sängerin ihre Fans.

Am 20.03. spielt sie ein weiteres Mal in Deutschland. Diesmal im (leider schon ausverkauften) Molotow in Hamburg. Wir wünschen viel Spaß!

Das nächste Konzerthighlight für Berlin: Sleater-Kinney am 18.03. im Huxley’s in Berlin! Talula wird auch hier am Start sein, und euch darüber berichten!