Wie, von Pappe? Und das hält?

Unsere Redaktionsassistentin Catherine Ouvrier hat ein junges Unternehmen entdeckt, das Möbel aus Pappe herstellt. Sie traf sich mit dem von Pappe-Team und präsentiert uns hier deren Geschäftsidee.

Stell dir vor, du bist für eine begrenzte Zeit in einem anderen Land und findest ein unmöbliertes Zimmer vor. Was tust du?

Vor genau dieser Frage stand der damals 25-jährige Alexander Hollberg, als er für ein halbes Jahr Weimar verließ und nach Barcelona ging. Natürlich mussten Möbel her, das war klar. Allerdings sollten der Aufwand für die Beschaffung und auch der Preis möglichst gering sein. Da kam dem Bauingenieurwesen und Architektur studierenden Weimarer die Idee:  Möbel, die als Paket auf dem Postweg die Wohnung erreichen, kinderleicht aufzubauen und ebenso einfach wieder zu entsorgen sind – und das Ganze ökologisch und preiswert. Der Grundstein für ein außergewöhnliches Produkt war gelegt: Möbel aus Pappe. Es sollte sofort losgehen mit der Umsetzung dieser Idee und so schloss sich Alexander Ende 2011 mit seinem Bruder Philipp zusammen, der in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studierte.

Siehste, hält doch!

Doch wie wird so ein Projekt umgesetzt? Der Prototyp der Pappmöbel-Familie sollte ein Stuhl sein – das komplizierteste Möbelstück in der Konstruktion, wie Philipp im Nachhinein feststellen muss. Zuerst wurden kleine Modelle der Pappstühle angefertigt. Dabei waren die Anforderungen an das Modell äußerst hoch: Es sollte möglichst wenig Material eingesetzt und dabei größtmögliche Stabilität erreicht werden, dazu war ein leichter Aufbau im Sinne der Kundschaft, d.h. ohne Kleber oder Werkzeug, sondern nur durch eine nachvollziehbare Falttechnik, wichtig. In der Erarbeitungsphase des Prototyps wurden die Modelle im Labor mithilfe von Sensoren getestet. Dabei wurde mit zweihundert Kilogramm Gewicht gearbeitet, um auch das zusätzliche Gewicht, das beim Hinsetzen auf den Stuhl einwirkt und auf die Sitzfläche drückt, zu berücksichtigen. Eine spezielle Konstruktionssoftware ermöglichte außerdem, verschiedene Modellvarianten zu erstellen und auszutesten. Die Brüder prüften in einem langen Prozess etliche Steckkonstruktionen, bis die optimale und stabile Form gefunden wurde. Anders als bei einem herkömmlichen Stuhl steht die ökologische Alternative nicht auf vier Beinen, sondern auf ineinander und über Kreuz gesteckten Pappkanten. Nach anderthalb Jahren Entwicklung hält der Stuhl bis zu einhundert Kilogramm Gewicht aus und wiegt sage und schreibe zwei Kilogramm. Seit einiger Zeit hat das junge Unternehmen seinen Sitz in Weimar, die Bauhaus-Universität bietet dafür einen Raum im Gründungszentrum an.

Der Handel soll über das Internet abgewickelt werden, für Produktion, Verpackung und Versand sind die Hollbergs weiterhin auf der Suche nach geeigneten Produktionsfirmen. Da von Pappe abhängig vom Kundenauftrag produziert, können die Mitarbeiter ohne Risiko investieren und tragen zudem einen Beitrag zur Nachhaltigkeit bei. Der Kunde oder die Kundin kann von zu Hause aus über die Homepage das Möbelstück bestellen. Das von Pappe-Team hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: den Online-Konfigurator. Mit diesem Programm lassen sich Farbkombinationen, vorgegebene und eigene Muster, aber auch Fotos auf den Stuhl drucken. Wer eigene Ideen hat, kann entsprechende Muster auf der Seite hochladen und diese anderen Interessierten zur Verfügung stellen – und bekommt obendrauf auch noch einen Anteil. Die Stühle können in unterschiedlichen Größen bestellt werden. In einem Kindergarten wird der Stuhl in verschiedenen Höhen getestet, um so kindgerechte ergonomische Möbel zu entwickeln. Ist die Bestellung aufgegeben, wird der Stuhl per Post geliefert. Die beiden gestanzten Teile werden gefaltet und zusammengesteckt. Eine Anleitung zum Aufbauen ist ebenfalls enthalten, sie steht auf der Innenseite der Pappe, auf zusätzliches Verpackungs- und Infomaterial wird bewusst verzichtet.

Das Team: Alexander Hollberg (27), Maria Seidel (25), Philipp Hollberg (24)

Für das Design ist Maria Seidel (25) verantwortlich, sie ist als Dritte im Bunde zu Philipp (25) und Alexander Hollberg (27) gestoßen und absolviert gerade ihren Master in der Fachrichtung Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar. Damit auch Liebhaber lange was von den einzigartigen Pappmöbeln haben und diese auch Nässe standhalten, arbeitet das Dreier-Team mit einer Firma zusammen, die die Pappmöbel mit einer wasserabweisenden Beschichtung versieht, die außerdem ökologisch ist.

Alltagstauglich, individuell und nachhaltig sind Worte, die diese einmaligen Produkte sehr gut beschreiben – und dazu kommt der gute Preis: Ein nicht bedruckter Stuhl ist bereits für ca. 35 Euro erhältlich. Die Möbel sind nicht nur für die private Nutzung geeignet, diese stilvollen Pappmöbel können optimal als Werbefläche genutzt werden, wie zum Beispiel zu Kongressen, zu Festivals, in Wartezimmern, aber auch für kreative Arbeitsbereiche, künstlerische und/oder pädagogische Projekte oder auch in Restaurants und Bars – hier gibt es keine Grenzen. Die von Pappe-Mitarbeiter haben noch viel vor, bald soll die komplette Produktpalette verfügbar sein.

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